Licht im Interior Design: So planst du die richtige Beleuchtung für dein Zuhause
Aktualisiert: vor 2 Stunden
„Warum ist das Licht hier eigentlich so scheiße?“ Diese Frage stellte mir vor Kurzem meine Nichte in ihrem kleinen Ankleidezimmer. Vor allem der Blick in den Spiegel sorgte regelmäßig für schlechte Laune: „Ich habe hier immer die schlimmsten Augenringe meines Lebens.“
Und tatsächlich war das Licht ziemlich undankbar. Der kleine Raum wurde von einer einzigen Deckenleuchte beleuchtet. Das Licht kam direkt von oben und produzierte im Gesicht harte Schatten unter Augen, Nase und Kinn. Gleichzeitig blieben Wände und Ecken dunkel, wodurch sich der ohnehin kleine Raum noch enger und ungemütlicher anfühlte.

Vielleicht kennst du ähnliche Effekte aus deinem eigenen Zuhause: Eigentlich ist genug Licht da, aber der Raum wirkt trotzdem dunkel oder ungemütlich. Vor dem einen Spiegel sieht man plötzlich zehn Jahre älter aus als vor dem anderen. Und eine Wandfarbe, die tagsüber wunderschön aussieht, hat abends auf einmal einen völlig anderen Ton.
Denn bei guter Beleuchtung geht es um weit mehr als darum, ob ein Raum hell genug ist. Licht verändert Farben und Proportionen, schafft Atmosphäre und beeinflusst unsere Stimmung, unser Verhalten und unser Wohlbefinden.
Zeit also, das Thema Licht im Interior Design einmal aus wohnpsychologischer Sicht zu beleuchten – im wahrsten Sinne des Wortes. In diesem Blogartikel erfährst du, wie Licht deine Stimmung, dein Verhalten und dein Wohlbefinden beeinflussen kann, was du beim Leuchtmittelkauf beachten solltest und wie du ein stimmiges Lichtkonzept für dein Zuhause planst.
Was Licht mit unserer Psyche macht
Dass wir bei Kerzenlicht anders drauf sind als unter einer grellen Deckenleuchte, muss uns vermutlich keine Studie erklären. Spannend wird es bei der Frage, warum das so ist und wie weit der Einfluss von Licht tatsächlich reicht.
Licht gehört zu den stärksten Umweltreizen für unseren Körper. Wir brauchen tagsüber ausreichend Licht und nachts Dunkelheit, damit unsere innere Uhr richtig arbeiten kann.
Fehlt Tageslicht über längere Zeit, kann sich das auf unseren Schlaf, unsere Stimmung und unser körperliches Wohlbefinden auswirken. Studien mit Menschen, die tagsüber in Räumen ohne Tageslicht arbeiten, zeigen beispielsweise eine schlechtere Schlafqualität, geringere Vitalität und Zusammenhänge mit depressiven Symptomen.
Wie abhängig wir von diesem natürlichen Wechsel sind, zeigen auch Experimente, bei denen Menschen über längere Zeit ohne Tageslicht, Uhren und andere äußere Zeitgeber lebten: Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus und ihr Zeitgefühl gerieten zunehmend aus dem Takt.
Licht brauchen wir also für weit mehr als zum Sehen. Es beeinflusst grundlegende körperliche Prozesse und kann sich darauf auswirken, wie wach, ausgeglichen und leistungsfähig wir uns fühlen.

Auch die Helligkeit beeinflusst, wie aktiviert wir uns fühlen. Helleres Licht kann Wachheit und Aktivierung unterstützen; gedämpftes Licht passt besser zu Situationen, in denen wir herunterfahren möchten. Interessant ist außerdem die Lichtfarbe. Wärmeres Licht wird in der Forschung unter anderem mit Entspannung, einer besseren Stimmung, kreativem Denken und sozialem Miteinander in Verbindung gebracht. Kühleres Licht kann Wachheit, Konzentration und analytisches Denken unterstützen; auch Erinnerungsleistungen können unter relativ kühlem Licht besser ausfallen. Wer also am Esstisch gemütlich zu Abend essen möchte, braucht eine andere Lichtstimmung als jemand, der dort gerade seine Steuererklärung macht.
Das sind allerdings keine starren Regeln. 2.700 Kelvin machen uns nicht automatisch kreativ und 4.000 Kelvin verwandeln uns nicht in Buchhalter*innen. Wie Licht auf uns wirkt, hängt immer vom Zusammenspiel aus Helligkeit, Lichtfarbe, Tageszeit, Tätigkeit und natürlich auch vom Menschen selbst ab.
Für die Gestaltung ergibt sich daraus trotzdem ein sehr praktischer Gedanke: Ein Raum braucht nicht zu jeder Tageszeit dasselbe Licht.
Licht darf sich im Laufe des Tages verändern
Draußen bleibt das Licht schließlich auch nicht zwölf Stunden lang gleich. Helligkeit und spektrale Zusammensetzung verändern sich mit Tageszeit, Wetter und Jahreszeit. Tagsüber darf unsere Beleuchtung deshalb heller und aktivierender sein, während abends gedämpftere und wärmere Lichtquellen besser zu der Phase passen, in der unser Körper langsam herunterfährt.
Damit relativiert sich auch der schlechte Ruf von blauem beziehungsweise kühlem Licht. Natürliches Tageslicht enthält ebenfalls blaue Wellenlängen und kann tagsüber eine deutlich kühlere Farbtemperatur haben. Entscheidend ist also auch, wann wir welchem Licht ausgesetzt sind.
Die Beleuchtung im Homeoffice darf uns morgens gerne beim Wachwerden helfen. Beim letzten Glas Wein auf dem Sofa muss sie diesen Job nicht mehr übernehmen.
Warum wir Lichtinseln mögen
Menschen bevorzugen offenbar nicht unbedingt Räume, in denen alles gleichmäßig hell ist.
Angenehm kann eine Lichtverteilung sein, die hellere und dunklere Bereiche entstehen lässt – ähnlich dem Licht, das in einem Wald durch das Blätterdach fällt. In der Forschung wird dafür auch der Begriff „dappled light“, also geflecktes Licht, verwendet.

Genau das passiert in einem gut beleuchteten Wohnzimmer: Die Tischleuchte beleuchtet einen Teil des Sideboards, über dem Esstisch hängt eine Pendelleuchte, neben dem Sessel steht eine Leselampe und vielleicht bekommt ein Bild noch einen eigenen Spot.

So entstehen Lichtinseln. Und die können psychologisch noch etwas anderes: Sie markieren Bereiche im Raum. Der Esstisch wird als eigener Ort wahrgenommen, ebenso die Sofaecke oder der Lesesessel. Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass Menschen, die sich innerhalb derselben Lichtzone befinden, eher miteinander interagieren.
Das ist besonders interessant, weil Licht damit beeinflussen kann, wie wir Räume benutzen und uns darin verhalten.
Eine einzige Leuchte muss also nicht versuchen, einen ganzen Raum und sämtliche Situationen darin zu bewältigen.
Die Anatomie eines guten Lichtkonzepts
Bei einem guten Lichtkonzept übernehmen verschiedene Lichtquellen unterschiedliche Aufgaben. In der Lichtplanung spricht man häufig von drei Ebenen:
Grundbeleuchtung sorgt für die allgemeine Helligkeit im Raum. Dazu gehören zum Beispiel Deckenleuchten, Einbauspots oder indirektes Licht.
Funktionslicht kommt dort zum Einsatz, wo wir für eine bestimmte Tätigkeit besonders gut sehen müssen: über der Küchenarbeitsplatte, am Schreibtisch, neben dem Lesesessel oder am Spiegel.
Akzentlicht setzt gezielt einzelne Bereiche in Szene – ein Bild, ein Regal, eine strukturierte Wand, eine Pflanze oder ein schönes Möbelstück.

Für die Wirkung spielt allerdings nicht nur eine Rolle, welche Lichtquellen wir einsetzen, sondern auch, auf welcher Höhe das Licht im Raum stattfindet.
Wohnpsychologisch ist dabei eine Empfehlung besonders interessant: Warmes Licht kann seine entspannende Wirkung besonders gut unterhalb der Augenhöhe entfalten - dort, wo unsere Vorfahren abends schon ihr Feuer auf dem Boden entzündeten. Aktivierendes, kühleres Licht kann dagegen oberhalb des Kopfes eingesetzt werden und Wände oder die Decke aufhellen, ähnlich wie uns auch helles Tageslicht von oben erreicht.
Es lohnt sich also, Leuchten im Raum nicht einfach nur zu verteilen, sondern sich zu fragen: Welche Aufgabe soll das Licht hier übernehmen – und wo soll es ankommen?
Beleuchte nicht nur den Boden
Gerade bei Deckenspots passiert schnell etwas Merkwürdiges: Der Boden ist hervorragend beleuchtet, während der Rest des Raumes vergleichsweise dunkel bleibt.
Für unsere Wahrnehmung sind aber auch Wände und Decke wichtig. Werden vertikale Flächen beleuchtet, kann der gesamte Raum heller wirken. Eine gleichmäßigere Lichtverteilung kann außerdem dazu beitragen, dass wir einen Raum größer wahrnehmen.
Genau das war eines der Probleme im Ankleidezimmer meiner Nichte. Statt die vorhandene Deckenleuchte einfach gegen eine hellere auszutauschen, planen wir eine Schiene mit mehreren Spots, die sich einzeln ausrichten lassen. Das Licht soll auf Kleidung, Regale und die Wände fallen, damit auch die dunklen Ecken verschwinden und der kleine Raum insgesamt heller und großzügiger wirkt.
Entscheidend ist, woher das Licht kommt
Die Richtung des Lichts verändert nicht nur den Raum. Sie verändert auch, wie wir Menschen darin aussehen.
Licht direkt von oben erzeugt Schatten unter Augenbrauen, Augen, Nase und Kinn.
Vor einem Spiegel ist das meistens wenig schmeichelhaft. Gute Spiegelbeleuchtung kommt deshalb eher von vorne beziehungsweise seitlich von vorne. Zwei diffuse Lichtquellen links und rechts des Spiegels können das Gesicht wesentlich gleichmäßiger ausleuchten.

In meinem früheren Berufsleben war manchmal aber exakt das Gegenteil gefragt. Vor Mindful Interiors habe ich die Fitnessstudios von John Reed eingerichtet. Im Freihantelbereich sollte das Licht bewusst härter von oben kommen. Denn die Schatten, die meine Nichte vor dem Spiegel verflucht, können dort Muskelkonturen noch stärker hervortreten lassen. So sieht das Ergebnis des Trainings gleich noch ein bisschen überzeugender aus.
Für die Lichtplanung ist deshalb eine Frage wichtiger als jede pauschale Regel: Was soll das Licht an dieser Stelle leisten?
Im Badezimmer darf es uns morgens beim Wachwerden unterstützen und dafür sorgen, dass wir uns im Spiegel vernünftig sehen. Beim abendlichen Schaumbad wünschen wir uns vom selben Raum vermutlich etwas ganz anderes. Und am Küchentresen sollte das Licht dafür sorgen, dass wir die Paprika schneiden und nicht den eigenen Finger. Dafür braucht es eine gute Beleuchtung direkt über der Arbeitsplatte. Deckenspots allein reichen oft nicht aus, weil wir uns sonst beim Arbeiten selbst Schatten werfen.
Achtung: Jetzt wird es kurz etwas technisch, damit du im Baumarkt das richtige Leuchtmittel aussuchen kannst. Wenn dich dieser Teil nicht betrifft, kannst du ihn einfach überspringen.
Lumen, Kelvin und Co.: Das solltest du wissen
Was gutes Licht mit uns macht, wissen wir jetzt. Aber woran erkennt man eigentlich das passende Leuchtmittel? Dafür lohnt sich ein Blick auf ein paar technische Werte.
Lumen: Wie viel Licht kommt aus dem Leuchtmittel?
Früher haben wir die Helligkeit einer Glühbirne meist anhand ihrer Wattzahl ausgesucht. Bei modernen LEDs funktioniert das nicht mehr, denn Watt beschreibt den Stromverbrauch, nicht die Lichtmenge.
Für die Helligkeit ist der Lumenwert (lm) entscheidend. Je höher er ist, desto mehr Licht gibt ein Leuchtmittel ab.
Als grobe Orientierung:
Lumen | Größenordnung |
ca. 10–15 lm | eine Kerze |
200–300 lm | kleines Stimmungs- oder Akzentlicht |
400–500 lm | kleinere Leuchte oder Spot |
700–800 lm | ungefähr die Lichtmenge einer früheren 60-Watt-Glühlampe |
1.000–1.500 lm | sehr helle einzelne Lichtquelle |
Die Kerze zeigt allerdings schon ganz gut, warum mehr Lumen nicht automatisch besseres Licht bedeuten. Ihre 10 bis 15 Lumen sind verschwindend wenig – beim Abendessen können sie trotzdem genau richtig sein.

Lux: Wie viel Licht kommt tatsächlich an?
Während Lumen beschreibt, wie viel Licht eine Lichtquelle insgesamt abgibt, sagt Lux (lx) etwas darüber aus, wie viel davon auf einer bestimmten Fläche ankommt. Ein Lux entspricht einem Lumen pro Quadratmeter.
In der professionellen Lichtplanung spielt dieser Wert eine wichtige Rolle. Für zu Hause musst du allerdings nicht mit dem Taschenrechner durch die Wohnung laufen. Entscheidend ist vor allem, wo du viel Licht brauchst: auf der Küchenarbeitsplatte oder am Schreibtisch mehr als in der Sofaecke.
Kelvin: Wie warm oder kühl wirkt das Licht?
Die Farbtemperatur eines Leuchtmittels wird in Kelvin (K) angegeben. Dabei läuft die Skala erst einmal entgegen der Intuition: Je niedriger die Kelvinzahl, desto wärmer wirkt das Licht. Je höher sie ist, desto kühler und weißer erscheint es.
Kelvin | Wirkung |
1.800–2.200 K | sehr warm, ähnlich Kerzen- oder Amberlicht |
2.700 K | warmweiß und wohnlich |
3.000 K | warmweiß, etwas klarer |
3.500 K | warm-neutral |
4.000 K | neutralweiß |
5.000–6.500 K | sehr kühl bis tageslichtweiß |
In Wohnräumen sind 2.700 bis 3.000 Kelvin häufig eine gute Wahl. 2.700 Kelvin wirken wärmer und gemütlicher, 3.000 Kelvin etwas klarer. Für das Ankleidezimmer meiner Nichte haben wir uns deshalb für 3.000 Kelvin entschieden: immer noch warm, aber neutraler als ihr bisheriges, sehr gelbliches Licht – und sinnvoll, wenn man Kleidung und Farben beurteilen möchte.

Auch unterschiedliche Farbtemperaturen können in einem Raum funktionieren. Sie sollten allerdings bewusst eingesetzt werden. Eine sehr warme Pendelleuchte neben deutlich kühleren Spots kann schnell unruhig wirken – und Farben und Materialien je nach Position unterschiedlich erscheinen lassen.
NERD BOX Für den normalen Leuchtmittelkauf kommt man mit den Angaben oben schon ziemlich weit. Wer genauer hinschauen möchte, findet allerdings noch ein paar interessante Werte. |
CRI oder Ra: Wie natürlich sehen Farben aus?Der Farbwiedergabeindex CRI (Color Rendering Index), bei uns häufig als Ra-Wert angegeben, beschreibt, wie natürlich Farben unter einer Lichtquelle erscheinen. Bei vielen gängigen LED-Leuchtmitteln liegt der Wert bei Ra 80. Ab Ra 90 werden Farben besonders natürlich wiedergegeben – interessant zum Beispiel bei Kleidung, Make-up oder Kunst. Anders als Lumen oder Kelvin springt uns der Ra-Wert beim Kauf allerdings nicht immer sofort ins Auge. Oft findest du ihn erst in den technischen Daten oder im Datenblatt des Leuchtmittels. |
Abstrahlwinkel: Spot ist nicht gleich SpotBei Spots lohnt sich außerdem ein Blick auf den Abstrahlwinkel. Er bestimmt, wie eng oder breit sich das Licht verteilt. Ein enger Winkel erzeugt einen konzentrierten Lichtkegel und eignet sich gut, um beispielsweise ein Kunstwerk oder ein einzelnes Objekt hervorzuheben. Ein breiter Winkel verteilt das Licht über eine größere Fläche. Als grobe Orientierung:
Zwei Spots mit derselben Lumen- und Kelvinzahl können dadurch im Raum völlig unterschiedlich wirken. |
Direktes und indirektes Licht: Am besten im Team
Direktes Licht fällt gezielt auf eine Fläche oder ein Objekt – zum Beispiel beim Lesen, Kochen oder Arbeiten. Indirektes Licht wird dagegen über Wände oder die Decke in den Raum reflektiert. Dadurch wirkt es weicher und erzeugt weniger harte Schatten.
Gerade indirekte Beleuchtung im Wohnzimmer eignet sich gut, um abends eine weichere Grundstimmung zu schaffen, ohne den gesamten Raum gleichmäßig auszuleuchten.
Sehr schön funktioniert das zum Beispiel mit Voutenbeleuchtung. Eine Lichtvoute ist eine Vertiefung oder ein verdeckter Bereich an Wand oder Decke, in dem die Lichtquelle – heute häufig ein LED-Band – verborgen wird. Das Licht strahlt auf die angrenzende Fläche und wird von dort in den Raum reflektiert.

Auch ohne bauliche Lichtvoute lässt sich dieses Prinzip nutzen: mit LED-Bändern in Möbeln, hinter einem Kopfteil oder Regal, mit Wandleuchten, die nach oben strahlen, oder mit Stehleuchten, die die Decke aufhellen.
Bei LED-Streifen lohnt sich ein Profil mit diffuser Abdeckung und eine ausreichend hohe LED-Dichte. So entsteht eine gleichmäßige Lichtlinie statt sichtbarer einzelner Punkte.
Und wenn genau dort kein Stromanschluss ist?
Leider ist ein Stromanschluss nicht immer genau dort, wo wir eine Decken- oder Wandleuchte gut gebrauchen könnten. Manchmal lässt sich das nachträglich ändern – manchmal lohnt sich der Aufwand dafür aber nicht.
Inzwischen gibt es dafür interessante Akku-Leuchten und wiederaufladbare LED-Leuchtmittel. Das ist besonders praktisch in Mietwohnungen oder überall dort, wo man wegen einer einzelnen Leuchte keine neuen Leitungen legen möchte. Beim Kauf lohnt sich allerdings ein Blick auf Akkulaufzeit, Helligkeit und Lademöglichkeit, denn eine Leuchte, die ständig leer ist, verliert ihren Charme recht schnell.
Braucht man Smart Lighting?
Smarte Lichtsysteme können praktisch sein, wenn ein Raum sehr unterschiedlich genutzt wird oder sich die Beleuchtung im Tagesverlauf verändern soll. Je nach System lassen sich Helligkeit, Farbtemperatur, Zeitpläne und Lichtszenen steuern.
Wer lediglich eine Pendelleuchte beim Abendessen dimmen möchte, braucht dafür allerdings kein komplettes Smart-Home-System. Ein guter Dimmer erledigt diesen Job ebenfalls.
Und wichtig: Smart bedeutet nicht kabellos. Eine smarte LED braucht in der Regel weiterhin Strom. Akku-Leuchten funktionieren dagegen ohne festen Stromanschluss, müssen dafür regelmäßig geladen werden.
So planst du die Beleuchtung eines Raumes
Nach diesem Artikel weißt du schon ziemlich viel darüber, was gutes Licht ausmacht. Jetzt geht’s an die Umsetzung in deinen eigenen Räumen.
1. Überlege, was du in dem Raum machst
Bevor du dich für konkrete Leuchten entscheidest, überlege zuerst, was du in dem Raum eigentlich machst.
Im Wohnzimmer wird vielleicht gelesen, ferngesehen, am Esstisch gegessen und abends auf dem Sofa entspannt. In der Küche wird geschnippelt, gekocht und anschließend noch bei einem Glas Wein gemütlich zusammengesessen. Jede dieser Situationen stellt andere Anforderungen ans Licht.
Notiere dir am besten die wichtigsten Tätigkeiten – daraus ergibt sich später, wo du welches Licht brauchst.
2. Nutze zuerst das Tageslicht
Schau dir an, wo Tageslicht in den Raum kommt und wie es sich im Tagesverlauf verändert. Wo ist es auch tagsüber eher dunkel? Wo blendet die Sonne? Und welche Bereiche nutzt du vor allem abends?
Tageslicht und Kunstlicht sollten zusammen gedacht werden. Die schönste Leselampe hilft schließlich wenig, wenn sie mittags gar nicht gebraucht wird und abends genau dort fehlt, wo du tatsächlich liest.
3. Plane mehrere Lichtebenen
Als Nächstes kommen die drei Ebenen ins Spiel, die wir schon kennengelernt haben: Grundbeleuchtung, Funktionslicht und Akzentlicht.
Nicht jeder Raum braucht von allem gleich viel. Eine Küche benötigt gutes Funktionslicht auf den Arbeitsflächen, während im Wohnzimmer Akzent- und Stimmungslicht stärker in den Vordergrund rücken können.
Überlege für deinen Raum also, welche dieser drei Lichtebenen du bereits hast und welche vielleicht noch fehlt.
4. Beziehe Wände und Decke mit ein
Überlege nicht nur, wo eine Leuchte hängen soll, sondern auch, wo ihr Licht landet. Eine durch Licht aufgehellte Decke kann beispielsweise höher und der Raum insgesamt offener wirken. Besonders bei niedrigen Decken ist indirektes Licht nach oben deshalb ein guter Tipp.
Schau deshalb auch nach oben und an die Wände: Gibt es Flächen, die du gezielt aufhellen könntest, statt das gesamte Licht nur nach unten zu richten?
5. Plane Licht für unterschiedliche Situationen
Im selben Raum brauchen wir zu unterschiedlichen Zeiten anderes Licht. Zum Staubsaugen, Puzzeln oder für einen Spieleabend darf es heller und aktivierender sein. Zum Entspannen oder für einen romantischen Abend möchten wir die Beleuchtung wahrscheinlich ruhiger und wärmer haben.
Dimmer, verschiedene Leuchten und getrennt schaltbare Lichtquellen machen einen Raum anpassungsfähiger.
Überlege, welche Lichtstimmungen du für deine wichtigsten Situationen brauchst und welche Leuchten du dafür getrennt schalten oder dimmen möchtest.
6. Jetzt dürfen die schönen Leuchten kommen
Pendelleuchten, Tischleuchten, Wandleuchten, Spots oder die Stehleuchte, in die du dich im Laden verliebt hast, dürfen jetzt ausgesucht werden.
Dabei geht es natürlich ums schöne Design der Leuchte, aber eben auch darum, ob sie ihren geplanten Job gut erledigen kann. Denn eine wunderschöne Leuchte, die dort kein brauchbares Licht erzeugt, ist am Ende vor allem eine ziemlich aufwendige Dekoration.
Licht entsteht im Zusammenspiel
Vielleicht hast du beim Lesen schon ein paar Ideen für dein eigenes Zuhause bekommen. Einen Spot anders auszurichten, eine zusätzliche Lichtquelle einzuplanen oder beim nächsten Leuchtmittel genauer auf Kelvin und Lumen zu schauen, kann schon einiges verändern.
Bei einer vollständigen Lichtplanung greifen allerdings viele Entscheidungen ineinander: Tageslicht, Nutzung des Raumes, Position und Höhe der Leuchten, Lichtrichtung, Helligkeit, Farbtemperatur, Wandfarben und Materialien – und natürlich die Frage, welche Atmosphäre am Ende entstehen soll.
Eine schöne Leuchte allein macht noch kein gutes Lichtkonzept. Wenn alles zusammenpasst, verändert Licht einen ganzen Raum – und auch, wie gerne wir uns darin aufhalten und wie wir uns dort fühlen.
Und vielleicht entdeckst du nach diesem Artikel tatsächlich eine Wand, die abends ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Das ist dann allerdings eine sehr gute Ausrede für eine neue, schöne Leuchte:

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