Dieses Haus hat mich zur Interior Designerin gemacht
- Davina von Koenig-Warthausen
- vor 21 Stunden
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Stunden

Viele fragen sich, wie eine Interior Designerin eigentlich selbst wohnt.
Die Antwort lautet in meinem Fall: Unfertiger, weniger perfekt und durchgestylt, als man erwarten würde.
Unser Haus habe ich vor neun Jahren selbst geplant. Manche Möbel habe ich selbst gebaut, einige Dinge würde ich heute anders machen und irgendwo schwirrt mir eigentlich immer die Idee für das nächste Projekt durch den Kopf.

Und vielleicht gerade deshalb das Projekt, das mich am meisten über Interior Design gelehrt hat.

Als mein Mann und ich Berlin verlassen wollten, suchten wir zuerst nach einem alten Haus zum Sanieren, denn damit bin ich aufgewachsen: alte Häuser, Baustellen, Wände raus, Böden raus, auch mal wohnen auf der Baustelle. Für andere Chaos, für mich irgendwie cool.
Als wir nichts Passendes fanden, suchten wir doch nach Grundstücken, doch begeistert war ich nicht. Neubauten hatten für mich damals einfach keinen Charakter. Die Grundstücke, die wir besichtigten, machten es nicht besser: klein, teuer, dicht an Straßen oder Bahngleisen gelegen, von allen Seiten einsehbar.
Bis ich eines Tages frustriert meinen Suchfilter änderte und plötzlich dieses Grundstück fand: Über 2.500 Quadratmeter direkt am Naturschutzgebiet, voller alter Robinien. Hinter dem Grundstück nur Wald und Freifläche.
Als wir uns das erste Mal durch`s Dickicht auf das Grundstück durchschlugen, war die Entscheidung schon gefallen.
Ich wollte keinen Platz in einem Neubaugebiet ohne alten Baumbestand. Ich wollte Natur. Im Idealfall mit einem Baum, an dem meine zukünftigen Kinder irgendwann schaukeln, im Garten spielen und den Hund jagen können.
Damals wusste ich noch nicht, dass dieses Haus nicht nur unser Zuhause werden würde. Es würde mich auch zu der Interior Designerin machen, die ich heute bin.

Als ich noch gar keine Interior Designerin war
Rückblickend muss ich manchmal darüber schmunzeln, wie viel Interior Design eigentlich schon in diesem Haus steckte, bevor ich überhaupt wusste, dass daraus einmal mein Beruf werden würde.
Denn obwohl ich damals noch keine Interior Designerin war, konnte ich schon nicht aus meiner Haut. Den ersten Grundriss der Architektin habe ich freundlich abgelehnt und stattdessen selbst gezeichnet. Mir war klar, dass dieses Grundstück der eigentliche Fokus sein sollte. Die alten Bäume, der Blick ins Grüne und die Ruhe sollten von möglichst vielen Stellen im Haus erlebbar sein. Also plante ich die Fenster bewusst geschlossen zu den Nachbarn und großzügig verglast zur Natur, selbst von der Haustür kann man durch das ganze Haus bis in den Garten sehen.


Auch die Küche spielte von Anfang an eine besondere Rolle. Ich wollte keinen Raum, in dem man verschwindet, während Familie oder Gäste im Wohnzimmer sitzen. Die Küche sollte Mittelpunkt sein. Ein Ort, an dem gekocht, geredet und gelebt wird.
Und so ging es eigentlich bei jeder Entscheidung weiter: Ich stimmte die Lasurfarbe mit dem Türenhersteller ab, plante jeden einzelnen Lampenauslass, skizzierte den Kamin, entwarf den Antrittspfosten der Treppe und lief mit Mustern für Türen, Küchenfronten und Fensterrahmen zwischen Küchenstudio, Parkettfirma und Baustelle hin und her.
Damals gab es in meinem Alltag noch keine 3D-Visualisierungen und Planungsprozesse, wie ich sie heute nutze. Alles spielte sich in meinem Kopf ab. Ich wusste einfach, wo später welches Möbelstück stehen sollte, welche Leuchte über den Esstisch gehört und welche Materialien miteinander funktionieren.
Viele Entscheidungen traf ich intuitiv. Erst Jahre später verstand ich, warum manche davon so gut funktionierten – und warum andere eben nicht.

Ein Haus wird nicht an einem Tag zum Zuhause
Als wir im Juni 2017 eingezogen sind, war das Haus so gut wie fertig. Der Rest allerdings nicht. Harte Realität: Wir hatten keine Einfahrt, keinen Gehweg, keine Terrasse und kein Stück Rasen im Garten. Stattdessen noch Reste vom Abriss einer alten DDR-Laube, einen riesigen Berg Erdaushub vom Hausbau und jede Menge Unkraut.
Nicht ganz das Bild, das man vor Augen hat, wenn man an den Einzug ins Traumhaus denkt.
Unser Budget für die Außenanlagen war nämlich nach und nach im Haus verschwunden. Erst ging der Puffer drauf, dann wurden hier und da noch ein paar Dinge teurer als geplant und plötzlich schaut man auf sein eigentlich fest eingeplantes Budget für Terrasse, Garten und Einfahrt und denkt sich: „Na toll.“
Rückblickend würde ich deshalb jedem Bauherrn empfehlen, lieber etwas großzügiger zu kalkulieren. Nachfinanzieren macht keinen Spaß. Noch weniger Spaß macht es allerdings, wenn man zwar ein fertiges Haus hat, aber jeden Tag über einen Parcour aus Paletten durch die Baustelle zur Haustür laufen muss.

Zum Glück bin ich jemand, der Dinge gerne selber macht, also haben wir nach und nach unsere Einfahrt gemacht, einen Carport und eine Terrasse mit Pergola gebaut und trotz Ermangelung eines grünen Daumens ist es mir sogar gelungen, auch einen schönen Garten anzulegen.
Und wenn ich heute mit meiner Gießkanne nahezu therapeutisch durch den Garten laufe, dann genieße ich tatsächlich sehr das Gefühl, dass wir uns das alles selbst aufgebaut haben. Ich liebe es einfach, ein Ergebnis meiner Arbeit zu sehen, etwas selbst geschaffen zu haben und es dann stolz zu betrachten, wie ein Höhlenmensch, der Feuer gemacht hat.

Wann genau aus dem Haus ein Zuhause geworden ist, kann ich trotzdem nicht sagen. Ich glaube, das war kein einzelner Moment, sondern wirklich eine Entwicklung.
Unsere Galga Smilla hat zuerst Leben in das noch ziemlich unfertige Haus gebracht, später kamen die Terrasse, der Garten und zeitgleich meine beiden Kinder dazu. Mit jedem Projekt, jeder Pflanze und jeder Erinnerung wurde dieses Haus ein bisschen mehr zu unserem Zuhause. Nicht, weil irgendwann alles fertig war, sondern weil einfach immer mehr von uns drin steckte.

Warum unser Wohnzimmer acht Jahre später ein Makeover brauchte
Acht Jahre später war das Wohnzimmer dran. Das ehemalige Dunkelgrau des Sofas hatte sich verdächtig stark dem Fellton unseres Hundes angenähert, und die beiden Kinder hatten ihr Übriges getan. Kurz: Es durfte gehen.
Aber eigentlich ging es nicht nur um ein neues Sofa. Mich störte zunehmend das ganze Layout: Sofa an der Wand, Fernseher hinter dem Kamin, alles irgendwie okay, aber nicht mehr richtig gut. Heute weiß ich: Nur weil ein Sofa an eine Wand passt, heißt das nicht, dass es dort auch stehen sollte.
Also habe ich den Raum neu geplant. Das Sofa steht jetzt mitten im Raum, die Laufwege bleiben frei und an der alten Sofaposition stehen zwei Sessel mit Blick ins Grüne – inzwischen einer meiner Lieblingsplätze.

Und weil ich offenbar nicht einfach nur ein Sofa austauschen kann, kamen direkt noch ein paar Projekte dazu: ein selbst gebautes Regal in der dunklen Nische neben dem Kamin mit indirektem Licht, ein passender Couchtisch und ein großes Bild, in das ich alte Spucktücher meiner Kinder eingearbeitet habe. Bei allem haben meine Kinder mitgeholfen.
Und genau solche Dinge machen einen Raum für mich interessant.

Ich habe einfach gerne diese Dinge um mich herum, die eine Geschichte erzählen. Ich bin leider sehr vergesslich, aber ich kann Erinnerungen an Gegenstände knüpfen, genauso wie ich sie an Gerüche knüpfen kann. Ich werde nie vergessen, wie meine Dreijährige mit ihrem Schleichpferd Spuren in den Couchtisch gehauen hat, als ich ihn gebaut habe. So schaffe ich es, Erinnerungen nicht zu verlieren.

Die Sache mit dem Stil . . .
Müsste ich meinen Stil beschreiben, so würde ich sagen Mid Century Modern meets Moody Organic mit kuratierten Vintage & Art-Pieces. Ich mag starke Formen, besondere Einzelstücke und Räume, die nicht aussehen wie aus einem Guss, aber eigentlich mag ich meinem “Stil” keinen Stempel geben.
Natürlich beeinflussen mich auch Trends. Niemand ist losgelöst davon, denn Trends bedeuten nichts anderes als Zeitgeschehen. Ich nehme mir daraus, was mich anspricht – und lasse liegen, was mir nichts gibt.
Viel wichtiger ist aber für mich, dass die Dinge in einem Raum “miteinander sprechen” - Das funktioniert zum Beispiel über Farbe, Form, Material, Herkunft, Epoche oder einfach eine gemeinsame Stimmung.
Nicht alles soll gleich aussehen oder einem bestimmten Stil entsprechen. Im Gegenteil. Ein Raum wird erst spannend, wenn unterschiedliche Stücke aufeinandertreffen, eigene Geschichten mitbringen und trotzdem eine starke Verbindung entsteht.


Natürlich sehe ich heute viele Dinge in unserem Haus, die ich inzwischen anders machen würde. Cooler vielleicht. Charaktervoller. Mutiger. Aber so ein Zuhause gestaltet sich eben nicht mal eben zwischen Kita, Kundenterminen, Gassi gehen, Garten, Haushalt und dem ganz normalen Alltagswahnsinn neu. Aber das ist ok, so geht es uns allen.

Manchmal bin ich einfach ungeduldig. Doch zumindest im Kopf habe ich eigentlich immer mindestens ein Projekt.
Und so entwickelt sich unser Zuhause. Genau wie wir.
Warum Natur für mich ein Wohnbedürfnis ist
Wenn mich jemand fragt, warum wir in einem Holzhaus wohnen, lautet die ehrliche Antwort: Weil alles andere nie wirklich infrage kam.
Ich bin auf dem Land aufgewachsen, mit viel Platz, Tieren und Natur um mich herum. Später in Berlin dachte ich lange, dass mir das nicht fehlt. Bis wir auf Grundstückssuche gingen und ich merkte: Doch, tut es. Diese Verbindung zur Natur ist mir wichtig. Sie ist mein Bedürfnis.
Deshalb war mir von Anfang an klar, ich plane dieses Haus so, dass es zu diesem Grundstück mit den alten Robinien am Ende des Gartens passt. Die großen Fenster, die Ausblicke ins Grüne, die Blickachsen und offenen Räume – all das ist letztendlich genau daraus entstanden und mit Skandima haben wir eine Baufirma gefunden, die genau das für uns umgesetzt hat.

Denn auch das Holzhaus selbst war eine bewusste Entscheidung.
Ich gehe tatsächlich lieber durch einen Kiefernwald als an den Strand. Ich liebe den Geruch von frisch geschlagenem Holz, im Winter das Knistern im Kamin oder im Sommer barfuß auf meiner sonnenerwärmten Holzterrasse zu stehen. Je hektischer alles um mich herum wird, desto wichtiger werden diese kleinen Dinge für mich.
Vielleicht bedeutet natürlich wohnen für mich deshalb ein Zuhause zu schaffen, das mich jeden Tag ein bisschen erdet.
Was ich heute anders machen würde
Neun Jahre später weiß ich: Beim Hausbau unterschätzt man nicht die großen Entscheidungen. Die bespricht man monatelang. Man unterschätzt die kleinen Dinge, die einem später jeden Tag begegnen.
// 01 Den Alltag noch realistischer denken
Natürlich wusste ich, dass Kinder Schmutzwäsche produzieren. Aber dass es derart viel Wäsche sein würde? Nein. Dass hier irgendwann gefühlt tausend Paar Schuhe, Fahrradhelme, Matschhosen, Schulranzen, Trinkflaschen und Bollerwagen rumfliegen? Auch nicht in diesem Ausmaß. Heute würde ich manche Bereiche noch konsequenter auf genau diesen echten Alltag ausrichten.
// 02 Das Interior-Konzept früher sichtbar machen
Ich hatte damals alles im Kopf. Mein Mann konnte da nur leider nicht reingucken. Mit den 3D-Visualisierungen, die wir heute nutzen, hätte ich viele Entscheidungen viel besser zeigen können. Vielleicht wären manche Dinge dadurch mutiger geworden, weil nicht alles nur auf meiner inneren Vorstellung basiert hätte.
// 03 Wenn das Budget knapp wird nicht einfach streichen, sondern klug kürzen
Als entscheidende Dinge teurer wurden, haben wir bei den Außenanlagen radikal gestrichen. Heute würde ich anders entscheiden: Wenn Bagger, Betonmischer und Gewerke ohnehin da sind, würde ich Fundamente für Terrasse, Carport oder Gartenhaus direkt vorbereiten lassen. Beläge, Gestaltung und Feinschliff können später kommen. Aber alles nachträglich mit Minibagger am Haus vorbeizuschaffen ist am Ende aufwendiger, teurer und nerviger.

Vielleicht ist das mein eigentliches Learning: Ich würde heute noch näher an dem Leben planen, das hier wirklich stattfindet. Denn ein gutes Zuhause entsteht nicht durch Quadratmeter, Budget oder schöne Einzelentscheidungen – sondern durch einen Plan, der das Leben darin wirklich versteht.
Wenn du selbst gerade baust, renovierst oder das Gefühl hast, dein Zuhause könnte mehr sein als nur schön eingerichtet, dann kennst du vielleicht einige der Gedanken aus diesem Artikel.
Und wenn du dabei Unterstützung möchtest, begleiten wir dich gerne.
Denn manchmal braucht es nur einen guten Plan, damit aus einem Haus ein Zuhause wird.

DESIGNER'S CHOICE:
Meine persönlichen Lieblingsstücke
Falls dir mein Zuhause gefallen hat findest du hier ein paar meiner Favoriten direkt für dich zum nachkaufen:
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Mein Zuhause in Bewegung
Wenn du unser Zuhause lieber in Bewegung erleben möchtest, findest du hier einen kleinen Rundgang durch unser Holzhaus am Naturschutzgebiet.







































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