Wohnung im Sommer kühler wirken lassen: So helfen Farben, Materialien und Licht
- Yvonne Warmbier
- vor 23 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Stunden

Es ist Sommer, draußen sind über 30 Grad und du kommst nach Hause. Eigentlich freust du dich darauf, endlich durchzuatmen. Stattdessen fühlt es sich in deiner Wohnung fast genauso warm und drückend an wie draußen.
Und dann gibt es diese Räume, die sofort ein anderes Gefühl vermitteln. Du kommst rein und denkst: „Ahhh, hier kann man es gut aushalten.“ Obwohl das Thermometer exakt dieselbe Temperatur anzeigen würde.
Wir nehmen Temperatur nicht nur über die Haut wahr. Unser Gehirn verarbeitet alles gleichzeitig: das Licht, die Farben, die Materialien, die Oberflächen und sogar, wie voll oder ruhig ein Raum wirkt.
Natürlich ersetzt Interior Design keine Klimaanlage. Es kann aber durchaus beeinflussen, wie warm oder kühl sich ein Raum anfühlt. In diesem Artikel erfährst du, wie schon kleine Veränderungen dein Zuhause im Sommer leichter und frischer wirken lassen und warum das so ist.

Warum sich manche Räume im Sommer angenehm kühl anfühlen – und andere nicht
Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass viele Hotels am Mittelmeer eine ähnliche Einrichtung haben: Weiße Wände, leichte Vorhänge, Leinenbettwäsche, Naturstein, helles Holz. Das lässt die Räume frisch und luftig wirken.
Zu Hause ist es oft genau umgekehrt. Dicke Teppiche, Samtkissen, warme Lichtquellen oder dunkle Möbel vermitteln Geborgenheit und Wärme. Im Winter lieben wir genau diese Atmosphäre. An einem heißen Julitag kann derselbe Raum dadurch allerdings deutlich schwerer und wärmer wirken.
Du musst dein Zuhause aber nicht jede Saison komplett neu einrichten. Häufig reicht es schon, ein paar Kleinigkeiten auszutauschen. Schließlich wechseln wir im Sommer ja auch ganz selbstverständlich von Strickpullover auf Leinenhemd. Warum also nicht auch unserem Zuhause eine kleine “Sommergarderobe” gönnen?!

Kühle Farben, kühleres Raumgefühl? Was wirklich dahintersteckt
Zahlreiche Studien zeigen, dass identisch warme Räume mit blauen Farbtönen häufig als etwas kühler wahrgenommen werden als Räume mit roten oder orangenen Farbnuancen. Dieser Zusammenhang wird als “Hue-Heat-Hypothese” bezeichnet. Der Effekt ist zwar nicht riesig (etwa 1–2 °C in der subjektiven Wahrnehmung), lässt sich aber dadurch erklären, dass unser Gehirn Farben evolutionär mit bestimmten Umweltreizen verbindet: Blau erinnert uns an Wasser. Rot, Orange oder Terrakotta verbinden wir dagegen eher mit Sonne, Feuer oder Wärme.
Wenn du deinem Zuhause im Sommer also etwas mehr Frische geben möchtest, können deshalb kühle, gedeckte Farbtöne eine gute Wahl sein. Ein nebliges Blau, sanftes Salbeigrün oder ein helles Grau mit kühlem Unterton wirken leichter als kräftige, warme Farben.

Aber auch hier gilt: Nicht jedes Blau fühlt sich automatisch leicht an. Ein sehr dunkles Marineblau kann wunderbar edel wirken, aber je nach Raum auch schwer und höhlenartig.
Deshalb schauen wir bei Farben nie nur auf den Farbton allein. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel mit Licht, Materialien und dem Raum selbst.
Gerade im Sommer lohnt sich deshalb die Frage: Welche Farben in deinem Zuhause wirken leicht und frisch?
Und welche machen den Raum vielleicht wärmer, dunkler oder schwerer, als er sein müsste?
Sommer-Interior ist eigentlich Winter-Interior rückwärts
Unser Gehirn verbindet Materialien automatisch mit bestimmten Eigenschaften. Leinen wirkt luftig und leicht. Naturstein, Glas oder Metall empfinden wir als kühl und frisch. Samt, Fell oder dicke Wollstoffe strahlen dagegen Wärme und Gemütlichkeit aus.
Das liegt natürlich zum Teil an der Leitfähigkeiten der Materialien selbst, gleichzeitig spielen aber auch unsere Erfahrungen eine große Rolle. Wir verbinden Leinen mit Sommer, luftiger Kleidung oder Urlaub. Bouclé und Wolle erinnern eher an einen gemütlichen Winterabend auf dem Sofa.
Im Winter dekorieren wir mit Fellen, warmen Lichterketten und schweren Strickplaids. Warum machen wir im Sommer eigentlich nicht das Gegenteil?
Also lass die Wolldecke und die Samtkissen für ein paar Monate in den Schrank wandern und mach Platz für Leinenkissen oder eine schlichte Glasvase mit frischen Blumen. Es sind oft diese kleinen Veränderungen, die in der Summe eine große Wirkung haben.

Kühl:
Leinen
Satin
Stein
Beton
Glas
Keramik
gebürstetes Metall
Warm:
Bouclé
Samt
Wolle
Fell
dunkles Holz
dicke Strukturen
Das richtige Licht für heiße Tage
Im Winter zünden wir Kerzen an. Im Sommer reißen wir die Vorhänge auf. Allein daran merkt man schon, wie eng Licht und unser Wohlbefinden zusammenhängen.
Licht verändert auch Farben, Kontraste und Stimmungen. Warmweißes Licht (2700 K) empfinden wir als gemütlich und behaglich. Genau deshalb greifen wir im Winter gerne zu Kerzen oder Lampen mit einer besonders warmen Lichtfarbe. Im Hochsommer darf das Licht dagegen ruhig etwas neutraler sein. Dadurch wirkt ein Raum frischer und klarer.
Auch das Tageslicht spielt eine wichtige Rolle. Räume, deren Fenster nach Norden ausgerichtet sind, bekommen überwiegend kühles Licht und wirken schnell etwas grauer. Hier können warme Wandfarben oder Holztöne den Raum ausgleichen. Südseitige Räume dagegen vertragen häufig kühlere Farben, weil das warme Sonnenlicht bereits genug Wärme mitbringt.

Less is more: Weniger kann sich im Sommer tatsächlich kühler anfühlen
Hitze strengt uns an. Unser Körper arbeitet auf Hochtouren und vielleicht kennst du das Gefühl, wenn plötzlich alles zu viel wird. Diejenigen, die öffentliche Verkehrsmittel in einer Großstadt nutzen, wissen, wovon ich spreche. Wir wünschen uns mehr Luft zum Atmen, mehr Platz und Leichtigkeit. Deshalb fühlen sich auch volle, unruhige Räume im Sommer anstrengender an als im Winter.
Ein Regal mit ganz viel Deko, viele unterschiedliche Materialien oder schwere Textilien können einen Raum optisch dichter wirken lassen. Im Sommer tut es deshalb gut, etwas Ruhe hineinzubringen und dein Zuhause mal ein bisschen durchatmen zu lassen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, ein paar Dinge wegzuräumen. Nur solange, bis der Herbst kommt und du wieder Lust auf Kerzen, Wolldecken und Gemütlichkeit hast.
Dein Zuhause wirkt dadurch nicht nur aufgeräumter, sondern auch leichter. Und dieses Gefühl überträgt sich dann auf dich.

7 Ideen, mit denen sich dein Zuhause sofort frischer anfühlt
// 01 Tausche schwere Materialien gegen leichte aus
Samt, Bouclé und dicke Wolldecken dürfen ruhig Sommerpause machen. Leinen, Baumwolle oder Perkal wirken luftiger und sorgen sofort fü1 r ein leichteres Raumgefühl. Glas wirkt leichter und reflektiert das Licht ganz anders als massive oder blickdichte Materialien. Eine Glasvase oder eine schlichte Schale lassen einen Raum sofort luftiger erscheinen.
// 02 Teppich raus, Sommer rein
Gerade dicke Hochflor- oder Wollteppiche speichern nicht nur Wärme, sondern lassen einen Raum auch optisch schwerer wirken. Roll die Teppiche zusammen und genieß das herrliche Gefühl barfuß über den kühlen Boden zu laufen.
// 03 Nutze Wassermotive als visuellen Frischekick
Großformatige Bilder mit Wassermotiven, z.B. Bilder vom Meer, einem ruhigen See oder Fluss vermitteln unserem Gehirn ein Gefühl von Kühle und Weite. Gerade in Räumen ohne Ausblick ins Grüne können sie dazu beitragen, dass sich ein Raum sommerlicher und frischer anfühlt. Unser Gehirn reagiert auf solche Bilder stärker, als man vermuten würde – selbst wenn wir natürlich wissen, dass es nur ein Foto ist.
// 04 Akzente in kühlen Farben
Du musst nicht gleich neu streichen. Schon Kissen, Vasen oder Bilder in kühlen Farbtönen, wie Salbeigrün, weiß oder Nebelblau können einen Raum frischer wirken lassen.
// 05 Schaffe bewußt freie Flächen
Nicht jede Ecke muss dekoriert sein. Gerade im Sommer wirkt ein Raum oft angenehmer, wenn Sideboard, Couchtisch oder Regal etwas mehr Platz zum "Durchatmen" bekommen. Bitte nicht noch mehr Deko- auch wenn es “Sommerdeko” ist. Unser Motto ist “Less is more”.
// 06 Mach dein Schlafzimmer zur Cool-Down-Zone
Unser Körper erholt sich am besten in einem kühlen, dunklen Raum - das ist wohl kein Geheimnis. Deshalb lohnt es sich, das Schlafzimmer im Sommer konsequent vor Sonne zu schützen und alles wegzulassen, was zusätzliche Wärme speichert. Atmungsaktive Bettwäsche aus Leinen oder Perkal und ein abgedunkelter Raum (Thermovorhänge) helfen deinem Körper dabei, besser herunterzufahren.
// 07 Verwöhne dich mit kühlenden Düften
Farben und Materialien nehmen wir mit den Augen wahr. Düfte wirken direkt über unser limbisches System, also den Teil des Gehirns, der unter anderem für Emotionen und Erinnerungen zuständig ist. Frische Zitrusnoten, Pfefferminze oder Eukalyptus verbinden wir automatisch mit Sommer, Frische und Klarheit und können subjektiv helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

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